ABS / Lawinenball und dazu LVS als Backup?

Die größte Risikoreduktion im Bereich Lawinenrettung erreiche ich mit zwei getrennten Ortungs-Systemen, die sich nicht gegenseitig beeinflussen: Z.B. Lawinenball oder ABS-Airbag plus LVS-Gerät:

Angenommen, ich benütze einen Lawinenball oder einen ABS-Airbag und zusätzlich führe ich wie empfohlen ein LVS-Gerät eingeschaltet am Körper. Im Falle eines Lawinenunfalls kann ich mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90% davon ausgehen, dass zumindest ein roter Teil vom Airbag oder der Lawinenball weit sichtbar sind und zu einer sehr schnellen Ortung und Bergung führen. Der Rest sind Ausfälle durch Funktionsstörungen, Totalverschüttung und fehlende Reaktion (Ziehen am Griff) des Verunfallten.

Wenn ich nun bei den restlichen 10% Ausfällen das LVS-Gerät benütze, habe ich dabei eine Auffindezeit, die mittlerweile bei einem guten Gerät (siehe oben) meist unter 5 Minuten liegt. Nehmen wir mal an, es sind 80%, dann habe ich die restlichen 10% nochmal um 80% reduziert, bleiben 2% Ausfallqoute, bzw. zu lange Auffindezeit.

Diese 2% erreiche ich niemals mit einem VS-Gerät alleine, sei es noch so gut. Zudem sind die Suchzeiten bei ABS/LB noch viel kürzer als 5 Minuten und beim ABS unter Umständen eh unnötig, da niemand verschüttet.

Die tatsächlichen Prozentzahlen hängen natürlich von vielen Faktoren ab und müssten mittels vieler Tests und Statistiken mit der Zeit ermittelt werden. Es geht mir mit diesen Zahlenbeispielen nur um die Erklärung der Grundidee und wie man hohe Effizienz mit der Kombination von getrennten Systemen erreicht. In der Realität hat man natürlich von Beginn eines Lawinenabganges an auch mit tödlichen Verletzungen zu rechnen, wo keinerlei Rettungsmittel mehr helfen.

 

Weshalb ist dann diese Kombination ABS-LVS  oder Lawinenball-LVS so wenig verbreitet?

ABS: Er hat zwar eine größere Verbreitung im Variantenbereich, doch das Gewicht und der Preis schreckt viele ab. Auch ich will mich beim Rucksack ungern an ABS binden und kiloweise Zeug mit mir rumschleppen, das mir keinen täglichen Nutzen bringt. Ich würde ja auch nicht eine Auto kaufen, das aus Sicherheitsgründen das Doppelte wiegt und einige Liter pro 100km mehr braucht. Auf Skitouren oder gar Hochtouren ist mir die Relation zu ungünstig.

Beim Lawinenball ist es eher die Unhandlichkeit des Balls auf dem Rucksackdeckel und wohl auch die Selbst-Demontage des Herstellers. Verbandspolitik spielt hier auch noch eine Rolle. Insgesamt ist es derzeit auch ein Teil, das ich mir ungern auf den Rucksack schnalle, mich aber bei Führungen und kritischen Schneesituationen dazu überwinde.

 

Preiswert und leicht zu mehr Sicherheit?

Wenn ich nun z.B. den Lawinenball wesentlich leichter und preisewerter konstruiere (das geht, ich habe die Pläne) erreiche ich damit ganz grob und pessimitisch geschätzt eine Trefferquote (direkte, visuelle Ortung) von 80%. Der Rest sind Ausfälle und zum Teil ganz bewusst im Sinne von Gewicht und Preis einkalkuliert.

Mit dieser Philosophie dürfte ein Lawinenball-System ca. 50,00 bis 80,00 Euro kosten und 500g wiegen. Dafür bekommt man ein System, das vermutlich in ca. 80% der Not-Fälle ein LVS unnötig macht, leichter anzuwenden ist (man muss nur schauen und hinlaufen) und keine spürbaren Komfortverluste mit sich bringt. Einziger Nachteil ist eine notwendige Anpassung des Rucksackdeckel oder wie beim ABS ein eigener Rucksack.

Wichtig: Dieses System funktioniert nur durch die Kombination LVS und Zweitsystem. Das LVS ist und bleibt die Basis, auf die niemals verzichtet werden kann.

 

Wenn sich ein Hersteller bereit erklären würde, diesen Leicht-Lawinenball zu produzieren (kostet dann ca. 50,00 bis 80,00 Euro im Handel), hätten wir damit ein Lawinenrettungssystem, das in seiner Effizienz fast an die Kombination ABS-LVS heranreicht - aber hunderte Euro preiswerter und viel leichter wäre. Das hätte die Chance, wirklich Verbreitung zu finden und mehr Leben zu retten - noch weit mehr als jede technische Tüftelei an den VS-Geräten.

Ich persönlich will mir nicht den Schuh anziehen, das Teil selber herzustellen: Das könnte ein etablierer Hersteller mit Vertrieb wesentlich besser.

Just my two cents...