LVS-Geräte 2010...

Neue Ergebnisse der DAV-Sicherheitsforschung (23.12.2010):

Bitte die PDF-Datei aufrufen und gründlich durchlesen!

Insgesamt haben sich die Erfahrungen vom Pieps-Profimeeting bestätigt, nur das 3+ von Ortovox hat in der Feinsuche wesentlich besser abgeschnitten. Hier liegt also evtl. ein Fehler bei unserem Test oder irgendein technisch bedingter Ausreisser vor. Ich werde den Test bei Gelegenheit wiederholen und hier dann berichten.

Grafische Übersicht vom DAV-Bericht:

DAV-LVS-Test

Demnach sind die Spitzengeräte in der Reihenfolge:
1. Pieps DSP (bei der Reichweite) und das Mammut Pulse (bei der Mehrfachverschüttung)
3. Ortovox S1

Das Tracker hat leider in der Signalsuche nicht gut abgeschnitten, ebenso das 3+. Dies liegt vermutlich an der Qualität der 2. und 3. Antenne. Die 2. und 3. Antenne ist generell ein Problem bei den Ortovox-Geräten.

Wer Wert auf größere Suchstreifenbreiten legt und dabei Irrwege beim Übergang Signal - Grobsuche weitestgehend vermeiden will, dem kann man eigentlich nur das Pieps DSP empfehlen. Allerdings sollte man dazu auch wissen, dass Lawinenfelder, wo so große Suchstreifenabstände relevant werden, gottseidank in der Praxis nur selten vorkommen.

Absolut abraten muss man vom Pieps Freeride und vom Ortovox Patroller digital - und den meisten Geräten, die hier nicht aufgeführt sind. Diese beruhen noch auf älterer Technik, die mittlerweile eindeutig unterlegen ist.

Pieps-Profimeeting Stubaier Gletscher 5.-6.11.2010

Nachdem ich mit dem PIEPS-DSP die letzten Jahre in zahlreichen Suchübungen die besten Ergebnisse erzielte und ich mal wieder auf den neuesten Stand der Technik kommen wollte, war ich gestern auf dem Profi-Meeting der Fa. Pieps im Stubaital.

Und es gleich vorweg zu sagen: Es gab viele Aha-Erlebnisse, aber auch teilweise sehr bedenkliche Ergebnisse. Vielen Dank an Markus, Gregor und das Team für die wirklich großartige und ehrliche Arbeit!
Meine Konsequenz daraus ist: Ich werde mir wieder öfter als bisher den Lawinenball aufschnallen und ich werde sehr genau hinsehen, welche LVS-Geräte meine Teilnehmer mitbringen. Ich bin am überlegen, ob ich einen größeren Bestand an Leihgeräten aufbaue, damit jeder Teilnehmer mit Geräten unterwegs ist, die ihnen im Ernstfall auch wirklich helfen. Senden tun LVS-Geräte zwar alle ziemlich gleich (wenn man mal von diversen Frequenzabweichungen absieht), im Suchmodus sind aber die Unterschiede auch bei modernen Geräten nach wie vor sehr groß.

Und nebenbei könnte ich mir..... , da ich meine Kamera vergessen hatte und nun keine Fotos und Filme von der Aktion mitbringe. Bei der Fülle an Informationen kann man sich natürlich so nicht alles merken, deshalb muss ich einige Ergebnisse nochmal nachfragen, bevor ich hier bestimmte LVS-Geräte in Misskredit bringe. Hier nun die wichtigsten Eindrücke und der Stand der aktuellen Technik:

Achtung Störsender!

Dass Metallteile einen großen Stör-Einfluss haben, ist bekannt. Dass die Wirkung jedoch so groß ist und auch Handys, Filmkameras und andere elektronische Spielereien einen so großen Einfluss haben, hat mich wieder überrascht. Mit den alten, analogen Geräten hat man es vielleicht noch nicht so gemerkt, bei den Testaufbauten mit verschiedenen Geräten konnte man es aber sehr gut beobachten.

Während der Feinsuche darf man keinesfalls mit Skistöcken markieren - auch nicht mit Carbon, da leitend! Erst wenn man den Punkt festgelegt hat und das Sondieren beginnt, kann man die Stöcke holen. Also: Alle Handys aus, keinerlei längere Metallteile in der Nähe, keine Skier (Stahlkanten), keine Skistöcke. Wenn ein Lawinenkegel sehr locker und tief ist, muss man halt Kompromisse bei der Signalsuche machen. Lieber vorankommen statt mit guter Empfangsleistung im Schnee versinken...
Die Frage ob ein Recco-Reflektor Störungen verursachen könnte, fiel mir erst später ein und konnte ich nicht mehr testen. Wahrscheinlich sind sie dafür zu klein, in direkter Nähe zum Empfangsgerät will ich sie dennoch nicht haben, solange ich es nicht getestet habe.

 

Genauigkeit, Geschwindigkeit der Feinsuche / Punktortung:

Hier hat sich die letzten Jahre viel getan. Mein etwas älteres Pieps-DSP verursacht im Nahbereich eine größere Plateauphase, welche durch ein Softwareupdate eliminiert wird. Wer noch so ein Geräte hat: Sofort updaten lassen, der Unterschied ist wirklich signifikant.

Bei guten Geräten sind Eingrenzungen bei einer Verschüttungstiefe von 3 Meter  auf bis unter 50cm möglich. Hier waren die DSP-3-Antennen-Geräte mit (vermutlich) Ferritkern-Antennen eindeutig die Gewinner: Pieps-DSP, Arva, Mammut. Das S1 von Ortovox war schon etwas ungenauer und das 3+ von Ortovox wies starke Schwankungen in der Entfernungsanzeige auf (z.B. erst  ca. 4 Meter, dann ca. 7 Meter und wieder zurück auf 4,2 Meter)!
Update 05.01.2011: Das 3+ hat beim Test des DAV Sicherheitskreis in der Feinsuche sehr gut abgeschnitten. Woher nun diese Diskrepanzen kommen, kann ich noch nicht sagen, werde dem aber nachgehen. Ausserdem werde ich bei den nächsten Kursen die Geräte nochmals selber testen.

Wir haben den Test völlig unabhängig selber durchgeführt.

Die weiteren Geräte waren unter "ferner liefen", es wurden aber auch nicht alle am Markt verfügbaren Geräte getestet, sondern nur diejenigen, die aktuell beworben und verkauft werden.

 

Markieren bei Mehrfachverschüttung:

Ein Gerät (Ortovox S1) zeigte nach dem Markieren erst bei bei 40cm Abstand (Kein Schreibfehler) zum zweiten Gerät eine Reaktion.
Allgemein bei allen Geräten: Viele Ausfälle, Resets nötig. Am besten noch das Pieps DSP mit nur einem "Hänger" (Scan notwendig).

Vor dem Markieren mit dem Pieps sollte man sich zuerst von dem ersten gefundenen Sender 2-3 Meter entfernen, damit evtl. vorkommende Dauertöne im Nahbereich bei alten, analogen Sendern keine Probleme verursachen.

Insgesamt: Keine optimale  Lösung auch nach Info vom Markus Eck, da physikalische Grenzen vorhanden sind und weitgefasste (Frequenz-)Normen die Lage erschweren. Besser sei die Abschaltfunktion bei geringen Abständen zwischen den Verschütteten. Die Abschaltfunktion mit der Sonde "I-Probe" gibt es derzeit nur mit dem Pieps-DSP (Pieps Freeride?), aber nicht bei anderen Geräten. Funktioniert als nur innerhalb von Pieps.

Arva und Mammut verfolgen eine andere Strategie mittels einer zweiten Frequenz.

Da wäre ein herstellerübergreifender Konsens dringend gefragt - und keine patentrechtliche Absicherung (z.B. Pieps...) von vielleicht guten Ideen!

 

Suchstreifenbreite, Erstempfang:

Dies war der "beeindruckendste" Test. Da einige Geräte nur schwache Zweit- und Drittantennen besitzten, die Richtung der Feldlinien aber erst nach Empfang auf beiden Antennen richtig angegeben wird, wird der Anwender hier des öfteren in die Irre geführt. In den letzten Jahren hatten wir regelmäßig Probleme mit diesem Phänomen auf den Übungen.

In ungünstiger Koppellage waren die Erstempfang-Werte bei manchen Geräten grottenschlecht! Siehe auch Link unten auf das Poster.

Siehe dazu den neuen DAV-Bericht oben.

 

GPS im VS-Gerät?

Den Gedanken hatten wir schon öfters, nun wird es im Pieps Vektor verwirklicht. Ich bin sehr gespannt, wiviel Erleichterung bei der Suche es bringt: Ab Januar-Februar wissen wir mehr.
Eine genaue Eingrenzung bei der Feinsuche ist jedoch (noch?) nicht möglich - dazu ist die Genauigkeit von GPS zu gering. Es ist also vor allem eine Hilfe bei Signal- und Grobsuche.

 

 

Fazit:

Mein Vetrauen in die VS-Geräte wurde nicht  größer, aber generell kann man sagen, dass 3-Antennen - Geräte mit digitaler Signalverarbeitung (DSP) mittlerweile eine solche Qualität erreicht haben, dass man alle anderen Geräte entsorgen sollte.

Links:

ISSW-Vortrag zur Suchstreifenbreitenermittlung (pdf)
Poster zum obigen Vortrag (pdf)

Neue Terminologie der Suchphasen >>

Vorschlag: Preiswert und leichter zu mehr Sicherheit >>