Gespür für den Schnee
16.12. bis 18.12.2011
Beim Basiskurs eine Woche zuvor hatten wir noch Bruchharsch vom Feinsten - beziehungsweise meine Kursteilnehmer, da ich mit meinen breiten Latten nicht einbrach und auf der Oberfläche herumcarvte....
Doch es sollte zum Kursbeginn noch schlimmer kommen: Regen, und davon nicht zu wenig. Somit verlagerten wir unseren ersten Kurstag in den Unterrichtsraum und ich konnte endlich mal aus dem Vollen an Fallbeispielen und Filmen schöpfen. Der Tag war schneller um als gedacht und am nächsten Tag war dann Deep Powder auf Grasgehren angesagt. Doch die Schneedeckentests fielen auch hier im dichten Schneefall und Wind nicht allzu ausführlich aus und wir machten uns nach einer tollen Powderabfahrt im Wald und einem nicht ganz so angenehmen Aufstieg wieder aus dem (Schnee-) Staub.
Die Belohnung kam dafür am Sonntag: Bessere Sicht, kalt und der Vorarlberger Lawinenlagebericht rief die Gefahrenstufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) aus. Spannend war vor allem, wo zuvor die Schneefallgrenze lag und ob darunter der Übergang von Regen in Schnee zu einer raschen Verbindung der Neuschneeschicht mit dem Altschnee sorgte. Wenn der Temperatursturz zu heftig ausfällt, kann dies nämlich auch zu einer aufbauenden Umwandlung an den Grenzschichten führen, was sich vor allem in den ersten Tagen nach dem Neuschnee auswirkt. Insgesamt ist eine Wärmephase natürlich sehr stabilisierend für die Schneedecke - aber erst nach Setzung des Schnees.
Leider waren meine Wunschorte noch nicht erreichbar, da die Bahnen noch nicht liefen. Doch am Walmendinger Horn fanden wir immerhin einen Platz, wo wir sicher testen konnten. Steilere oder größere Hänge waren jedoch tabu, da diese am Walmendingerhorn gleich zu gefährlich gewesen wären.
Das Fazit war gemischt: Nicht alle Tests zeigten eine gute Verbindung der Schichten an und die Altschneedecke war sehr unterschiedlich, weshalb wir keine Entwarnung für die geplante Abfahrt über die Walmendinger Alp geben konnten. Damit galt weiterhin die Gefahrenstufe 3 für uns und die SnowCard hätte für die Abfahrt an einer Stelle zunächst mal rot ausgegeben. Da diese Stelle aber einige hundert Meter tiefer lag, gab es eine gute Chance, dass es dort günstiger war - was aber nur durch Tests vor Ort zu ermitteln war. Wenn dann aber der Test wider Erwarten ungünstig ausgefallen wäre, hätten wir wieder aufsteigen müssen.
Diese Aussicht war dann doch nicht so prickelnd und wir wählten die ebenfalls sehr schöne Abfahrt nach Baad.
Freeride Allgäu 19.-20.12.
Am Montag waren wir wieder im Kleinwalsertal. Der erste richtig schöne Tag nach den Schneefällen - und mein erster Powdertag in diesem Winter - sorgte für nicht wenig Adrenalin im Blut. Es war schon am Tag davor für mich nicht leicht zu ertragen, anderen beim Powdern zuzusehen, während ich Schneedeckentests machte.
Gerade bei solchen Situationen finde ich ein Risikomanagement wie die SnowCard sehr hilfreich, damit man trotz aller Euphorie auf den Boden der Tatsachen geholt wird. Natürlich lässt die SnowCard zu, den Spielraum nach gründlicher Analyse der Schneeverhältnisse und der Geländefaktoren zu erweitern (oder auch ggf. einzugrenzen), aber wie gesagt nur nach einer klaren, stimmigen Begründung mir selbst gegenüber. Dies bin als Bergführer meinen Gästen schuldig.
Letztendlich waren sogar Winter-Erstbefahrungen drin. Die Schichtverbindung zwischen Alt- und Neuschnee war zwar noch eher zweifelhaft, doch das Gelände ließ immer eine Routenwahl mit einer deutlichen Risikoreduktioin zu. Und es macht mir natürlich aus Spass, meine Erfahrung hier voll einzusetzen.
Der Rest war dann nur noch hemmungsolses Powdern, bis Nachmittags leider wieder die Wolken aufzogen.
Ein fulminater Winterbeginn, der auch noch einen super Schneedeckenaufbau ergibt. Hoffen wir, dass es so weitergeht.
Ride on!